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Die Hauptstraße als "Abstoppstrecke"

Begebenheit  |  23. Juni 1912
Joh. Adam Schug (1869 - 1931) war von 1894 bis 1929 als Polizist in Lohmar tätig
Joh. Adam Schug (1869 - 1931) war von 1894 bis 1929 als Polizist in Lohmar tätig
Das Haus Hauptstraße 110 wurde von Joh. Adam Schug errichtet
Das Haus Hauptstraße 110 wurde von Joh. Adam Schug errichtet
Schelmischer Spruch am Haus Hauptstraße 110
Schelmischer Spruch am Haus Hauptstraße 110
Laut Bericht des Polizeisergeanten Schug war der Fürst am 23.Juni 1912 mit 54,756 Stundenkilometern, mit "rasendem Tempo", durch den Ort gefahren.
Laut Bericht des Polizeisergeanten Schug war der Fürst am 23.Juni 1912 mit 54,756 Stundenkilometern, mit "rasendem Tempo", durch den Ort gefahren.
Antwort der Kgl. Regierung Köln, dass deutsche Bundesfürsten strafrechtlich nicht zur Verantwortung gezogen werden können.
Antwort der Kgl. Regierung Köln, dass deutsche Bundesfürsten strafrechtlich nicht zur Verantwortung gezogen werden können.
Antwort von Bürgermeister Polstorff: "...Original der Reg Verfügung mit dem Bericht zurück, dass Schug mittels Stoppuhr festgestellt hat, daß der Wagen in 23 Sekunden 350 Meter gefahren ist. Von sehr vielen Straßenanwohnern wurde über die geradezu erschreckende Geschwindigkeit des Kraftwagens Klage geführt...".
Antwort von Bürgermeister Polstorff: "...Original der Reg Verfügung mit dem Bericht zurück, dass Schug mittels Stoppuhr festgestellt hat, daß der Wagen in 23 Sekunden 350 Meter gefahren ist. Von sehr vielen Straßenanwohnern wurde über die geradezu erschreckende Geschwindigkeit des Kraftwagens Klage geführt...".
Hauptstraße im Sept.2022
Hauptstraße im Sept.2022

Auf der Lohmarer Hauptstraße wurde einige Jahre nach den 2005 abgeschlossenen Umbaumaßnahmen im Zuge der Umsetzung des Lärmaktionsplanes von 2012 im Ortszentrum Tempo 30 angeordnet. Manche Autofahrer erfahren das leidvoll bei den sporadisch durchgeführten Geschwindigkeitskontrollen der Polizei.

Schon vor mehr als hundert Jahren galt Tempo 30 in Lohmar. Anfang des 20. Jahrhunderts durften Kraftfahrzeuge in geschlossenen Ortschaften nicht schneller als 30 km/h fahren. Polizeisergeant Johann Adam Schug kontrollierte mit einem Gehilfen die Geschwindigkeit auf der Provinzialstraße heute Hauptstraße mittels Stoppuhren. Der eine stand am Anfang der andere am Ende einer Strecke von 300 Metern. Am 23. Juni 1912 erwischten sie ein Auto laut Schugs Bericht mit “54,756 km/h“ und mit „rasendem Tempo“. Der Übeltäter war Fürst Adolf von Schaumburg-Lippe zu Bückeburg. Die königliche Regierung in Köln teilte mit, dass deutsche Bundesfürsten strafrechtlich nicht zur Verantwortung gezogen werden könnten. Dagegen wehrte sich der damalige Bürgermeister Ludwig Polstorff mit einem Einspruch. Leider ist nicht bekannt, wie es ausging.

Auch in Wahlscheid wurde regelmäßig mit Stoppuhren kontrolliert. Hierüber beschwerte sich im Herbst 1928 der Märkische Automobil-Club e. V. Hagen und andere Mobilclubs. Im Dezember 1928 gab es eine Besichtigung der „Abstoppstrecken“ im Siegkreis und im Kreis Köln Land durch Oberregierungsrat, Polizeirat und Vertreter von Verkehrsverbund und Kreis. Als Ergebnis setzten der Lohmarer Bürgermeister und andere das „Abstoppen“ für ein halbes Jahr aus. Danach berichtete der Lohmarer Bürgermeister, dass sich die Geschwindigkeitsübertretungen kaum geändert hätten, der Nachweis allerdings jetzt nicht mehr erbracht werden könne. Jedoch meldete er, dass die Staublage zumindest durch die Pflasterung der Straße behoben sei.

 

Information

Quellenangabe

Zur Geschichte der Lohmarer Hauptstraße, 2006, Stadt Lohmar

Lohmarer Heimatblätter Nr 16 S. 109; Nr 17 S. 124; Nr. 30 S. 131 -133

Autor(en)

Waltraud Rexhaus
Zuletzt angesehen:23.09.2022, 18:39
Bisher angesehen:38 mal

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Zugehörige Dokumente

Zugehörige Bilder

Hauptstraße vor 1928
Ludwig Polstorff, 1942. Lohmarer Bürgermeister von 1906 - 1927
Bürgermeister Polstorff

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