Grabkreuze zeugen vom Ingerbergshof
1980 gruben ein halbes Jahr lang Helfer aus der Firma Walterscheid und dem Heimat- und Geschichtverein unter der Leitung des Fabrikanten und Heimatforschers Bernhard Walterscheid - Müller die Kellerruinen eines um 1790 untergegangenen Fachwerkhofes auf dem Ingerberg aus. Auf dem Lohmarer Friedhof stehen zwei steinerne Zeugnisse vom Leben bzw. Tod auf dem Ingerbergshof im 17. und 18. Jahrhundert. Ein Grabkreuz befindet sich in der Bruchsteinwand in der Südseite der Leichenhalle. In Sandstein gemeißelt ist hier zu lesen, dass Anna auff dem Ingerberg am 11. August 1694 starb. Am Weg von der Kirche zur Leichenhalle steht ein weiteres steinernes Dokument zum Tod von Johannes Adolffus Hagen von Ingerberg am 21. November 1734. Aus dem Lohmarer Wertier- und Lagerbuch von Inger aus 1746 geht hervor, dass ein "Adolf Hagen aufem Ingerberg" den Hof besaß.
Als Beleg für den Ingerbergshof hat Peter Kemmerich in seinem Buch über die Heimatgemeinde Lohmar einen Auszug aus dem Kirchenbuch der katholischen Kirchengemeinde (Kirchspiel) Lohmar - das Kirchspiel bestand aus Lohmar als Untergemeinde und Scheiderhöhe, Breidt und Birk als Obergemeinde - veröffentlicht und die altdeutsche Schrift übersetzt:
"Pêle-mêle Notizen zur Chronik von Lohmar.
Gemäß notariellem Verkaufsackte über die Burg Lohmar vom Jahre 1672, wovon das Original auf Pergament in den Händen des gegenwärtigen Besitzers daselbst ist, waren im Jahre 1672 in der Unter- Obergemeinde Lohmar 204 Häuser.- Zur Burg gehörten 12 Morgen Weiher im Lohmarer-walde.- 40, später 20 gewald Holz.Gerechtsame des Brandweihers im Lohmarerwalde, Zehnten zu Scheiderhöhe, 3M Roder die v. Heyden zu Schönrath einige Jahr lang genossen. Der Weinzapf und Accis (Steuer) im Dorf Lohmar, der Ingerberg, Haus, Hof, etc., 20 M Land, 4 M Wies, 42 M Busch und 17 M Biese. Pacht dies adlig Nutzung, 24M (Malter) Roggen, 25 M Hafer, 6 Schweine, 1 dicker Hammel, 1 Lamm, 1 Kalb, 8 Hühner, 2 Enten, 2 Vot Eier. Max v. Reven….. zu Bach-Coesfeld an Pfr."
Information
Quellenangabe
Peter Kemmerich, Meine Heimatgemeinde Lohmar um und nach 1900
Lohmarer Heimatblätter, Heft 18, S. 111 - 120
Fotoarchiv Röger
Autor(en)
Peter Kemmerich, Johannes Heinrich Kliesen| Zuletzt angesehen: | 15.03.2026, 10:51 |
| Bisher angesehen: | 60 mal |
Querverweise
Zugehörige Dokumente
Der Ingerberg liegt im Nordwesten des Lohmarer Waldes auf dem Höhenrücken zwischen dem Jabach- und Auelsbachtal. Auf einer Fläche von 6,6 ha hat die Stadt Lohmar 2008 hier eine Naturwaldzelle ausgewiesen. Sie besteht aus einem Eichen- und Buchenwald... Der Ingerberg liegt im Nordwesten des Lohmarer Waldes auf dem Höhenrücken zwischen dem Jabach- und Auelsbachtal. Auf einer Fläche von 6,6 ha hat die Stadt Lohmar 2008 hier eine Naturwaldzelle ausgewiesen. Sie besteht aus einem Eichen- und Buchenwald mit bis zu 200 Jahre alten Bäumen. Die Buchen- und Eichenwaldbestände wurden aus der Bewirtschaftung herausgenommen, der Wald sollte sich selbst überlassen bleiben. Auf großen Informationstafeln des Heimatvereins Lohmar an den beiden Ingerbergs-Wanderwegen ist Wissenswertes nachzulesen. Nach Plänen aus 2022 will die Stadt Lohmar aufgrund eines Antrages der Koalition aus Grünen, SPD und UWG hier einen Bewegungs- und Erlebnispfad anlegen mit Sportgeräten finanziert aus den Mitteln des Projektes „Moderne Sportstätten“ des Landessportbundes. Mit viel Aufwand und Energie haben die Lohmarer Heimatforscher Bernhard Walterscheid-Müller und Johannes Heinrich Kliesen die geschichtliche Entwicklung des Ingerbergs untersucht und dabei Marksteine der Lohmarer Siedlungsgeschichte entdeckt. Nach dem Aufstieg über den Forstweg am Ende der Buchbitze erreicht man ca. 200 Meter nach der Wegegabelung in Richtung Algert/Inger den Standort des ehemaligen Ingerbergshofes. Bei Ausgrabungen im Jahr 1980 wurden hier eine Menge Reste aus Stein und Holz und Keramikscherben gefunden, die ins 10. Jahrhundert zurückreichen. Um 1500 wird der Ingerbergshof erstmalig schriftlich erwähnt, nach 1790 findet sich der Name nicht wieder. Warum der Hof spätestens um 1800 von seinen Bewohnern aufgegeben wurde, ist ungeklärt. Etwa gleichzeitig mit der Siedlung Ingerbergshof stand am Fuße des Ingerbergs im Auelsbachtal ein Schleifkotten (kleine Hütte), wo das Werkzeug (Rindenritzeisen, Schälmesser, etc.) von Wald- und Loharbeitern geschliffen wurde. Die Lohrinde wurde zum Gerben von Tierfellen geschält. Die Lohe ist ein aus der Rinde junger Eichen gewonnener Extrakt, der für die Zurichtung von Tierfellen zu Leder verwendet wurde.
|
Zugehöriger Ort
Zur Siedlung Ingerbergshof schreibt Wilhelm Pape in „Siedlungs- und Heimatgeschichte der Gemeinde Lohmar“, 1983:
Wahrscheinlich hat die Ortschaft Inger dem waldbedeckten Höhenrücken zwischen Jabach und Auelsbach den Namen Ingerberg gegeben. Danach wurde dann der Hof benannt, der am Abhang zum Jabach ungefähr gegenüber der Einmündung der Haiberger Straße auf die Jabachtalstraße lag.
„Hennes up ynerberch“ zählte zu den Mitgliedern der Birker Marienbruderschaft, die 1503 gegründet wurde. Im Jahre 1563 wird im Protokollbuch der Kirchscheider Hofgedinge ein „Hennes am ingerberch“ genannt, der wegen eines Besitztums zu Pützrath an das Hofgericht zu Kirchscheid Abgaben zu leisten hatte. Spätestens 1644 ist der Freihof „ufm Ingerberg“ im Besitz der Familie von Reven; denn im Rent- und Lagerbuch des Amtes Blankenberg von 1644 heißt es: „Item Junker Reven hat noch ein Hof ufm Ingerberg gelegen, so frey ist und in die Hontschaft Lhoemar gehörich. Woraufer zu Feit gehet 1 Pfert“. Im Limitenbuch des Amtes Blankenberg, hier Kirchspiel Lohmar, vom 14. 7.1644 wird der Ingerberger Hof, und zwar der Ingerbergerß Bornen (Brunnen) bzw. der Ingerberger Poell (Wasserloch) als gemeinsamer Grenzpunkt der Honschaften Lohmar, Haiberg und Inger genannt. Auch in den „Erbhuldigungslisten“ des Jahres 1666 wird der „halft ufm Ingerbergh“ genannt. In den sog. „Pele-mêle Notizen“ zur Chronik von Lohmar bekundet Max von Reven, daß er 1672 Besitzer von Haus und Hof Ingerberg ist, zu dem 20 Morgen Land, 4 Morgen Wiese, 42 Morgen Busch und 17 Morgen Biesen (Biesen = Binsen, riedartige Grasfläche; hier vielleicht Wiesen in der Lohmarer Buchbitze oder/und im Jabachtal) gehören. Ein altes Grabkreuz an der Südseite der Lohmarer Leichenhalle trägt die Inschrift: „J.H.S. AD 1694 den 11. August starb die dugendsame Anna auf dem Ingerberg ggD“. Im Wertier- und Lagerbuch von Inger aus dem Jahre 1711 ist der Ingerberger Halffen als Grenznachbar zur Honschaft Inger vermerkt. Ein solches Buch aus der Honschaft Haiberg von 1738 bringt als Grenzbezeichnung „die underste mahr wieß vorg. Ingerbergerhoff“. Aus dem Wertierbuch von Lohmar aus dem Jahre 1746 geht hervor, daß ein „Adolf Hagen aufem Ingerberg“ den Hof besaß, und daß „auß diesem gut die Korfs Erben gekauft haben ein Viert, busch in Ingerbergh“. Ferner wird ein Joes adolf Ingerberg als Nachfolger der Peter Rötgen Erben genannt.
Weitere Namensbelege finden wir 1715 auf der Ploennis-Karte als Freyhof Engerberg (K 9) und 1790 auf der Wiebeking-Karte (K 10). Danach tritt der Hof nicht mehr in Erscheinung. Folglich muß er um die Wende zum 19. Jahrhundert aufgegeben worden sein. Von diesem Hof sind heute lediglich Reste der Fundamente des sog. Ingerbergskeller und -bornen erhalten. Wahrscheinlich hat dieser Hof auch einer Familie den Namen gegeben (siehe oben Joes adolf Ingerberg). In Troisdorf sind 1757 ein Peter Ingerberg und 1822 zwei Landwirte mit dem Namen Johann Ingerberg ansässig.











