Kolonialwarenhandel in Lohmar Anfang des 20. Jahrhunderts
Kolonialwaren und Drogerie Carl Scheiderich
Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts versorgten Kolonialwarengeschäfte auch in der Stadt Lohmar in vielen Orten die Bevölkerung mit Nahrung und Genussmitteln. Es waren Gemischtwarenläden, die auch Genussmittel wie Tabak, Kaffee, Kakao, Zucker, Gewürze aus den überseeischen Kolonien verkauften. Sie waren die Vorläufer der heutigen Supermärkte - der Name EDKA geht auf die „Einkaufsgenossenschaft der Kolonialwarenhändler (EdK)“ zurück -.
In Lohmar hatte 1907 Carl Scheiderich den Kolonialwarenhandel und „Drogenhandel“ (Drogerie) an der Hauptstraße 79 von den Eheleuten Oligschläger übernommen. Die „Drogen“ befanden sich in einem einzigen Schrank, der von der Bürgermeisterei regelmäßig kontrolliert wurde. Sein Enkel Helmut Altenrath, aufgewachsen im elterlichen Haus Eisenmarkt 10, hat aus dem Nachlass die Geschäftsunterlagen aus der Zeit 1909 -1922 aufbewahrt und dem Archiv des Heimatvereins Lohmar übergeben. In einem „Copir-Buch“ No. 241 mit auslegb. Register sind auf 841 Seiten Durchschriften der Geschäftsschreiben von 1909 bis 1920 enthalten. Alle Schreiben sind von Carl Scheiderich handschriftlich in Sütterlin verfasst. Das älteste Schreiben datiert vom 29/10.09 an Herrn Peter Rom, einen Handelsvertreter in Königswinter. In einem Schreiben an Franz Broich, Breidtersteegsmühle bittet Carl Scheiderich im Januar 1910 um die sofortige Übersendung der Rechnung, da Kunden behaupteten andere würden billiger verkaufen. Bei der Seifen-und Parfümeriefabrik Oehmig-Weidlich aus Zeitz in Sachsen-Anhalt beschwert er sich im März 1914 über die Kündigung der Handelsvertretung. In den Unterlagen befindet sich auch eine Rechnung vom 1.12.1920 der „Älteste Kölner Rauch- Schnupftabak- u. Cigarrenfabrik“. Heinrich Joseph DuMont hatte 1735 die Tabakfabrik im Haus „Spiegel zum Desenberg“ in der Straße „Die Höhle“ in Köln gegründet. Die in der Rechnung aufgeführte Tabakmarke Pastorentabak rauchte auch der bekannte SPD Politiker Herbert Wehner (1906-1990). Interessant ist auch das Posteinlieferungsbuch von 1911, das Auskunft gibt über die Zahlungen mit Postanweisungen und Zahlkarten. Das System war ein zentraler Bestandteil des Zahlungsverkehrs im Deutschen Kaiserreich, der von der Reichspostverwaltung abgewickelt wurde. Auf die Hyperinflation 1923 infolge der Reparationszahlungen des ersten Weltkrieges lässt die Erklärung über die Gewerbesteuer vom 17.Mai1923 schließen. Hier sind Beträge von ca. 8,5 Mio Mark notiert. Das Kg Brot kostete im Mai 500 Mark, im Juli schon 2.000 Mark. Im November 1923 wurde als neues Zahlungsmittel die Reichsmark eingeführt.
Information
Quellenangabe
Sammlung Helmut Altenrath
Fotosammlung Marieluise Nagel, geb. Schopp
industrie-kultur-ost.de
altes.koeln.de
Autor(en)
Wolfgang Röger| Zuletzt angesehen: | 15.03.2026, 10:51 |
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Querverweise
Zugehörige Dokumente
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Oktober 1923
Nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg war die wirtschaftliche Notlage groß. Lebensmittel wurden vor allem in den städtischen Bereichen knapp. Ende Oktober 1923 spitzte sich die Situation zu. Die Kartoffelernte war in diesem Jahr besonders schlecht und... Nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg war die wirtschaftliche Notlage groß. Lebensmittel wurden vor allem in den städtischen Bereichen knapp. Ende Oktober 1923 spitzte sich die Situation zu. Die Kartoffelernte war in diesem Jahr besonders schlecht und die Inflation galoppierte. Während die Wahlscheider dank eigener Gärten oder guter Beziehungen zu hiesigen Bauern, Ihren Hunger stillen konnten, traf es die Stadtbewohner von Köln schwer. In ihrer Not setzten sich die an der Bahnstrecke Köln-Overath liegenden Köln-Kalker zu Hunderten in den Zug und fuhren ins Bergische, um sich zu nehmen, was sie brauchten. Sie saßen auf den Dächern und Trittbrettern der total überfüllten Eisenbahn-Waggons. Von den Bahnhöfen Honrath und Overath schwärmten sie in Trupps von 20-50 Mann zu den Bauern bis nach Seelscheid und Much aus. Es kam zu gewaltsamen Zusammenstößen. Die Wahlscheider Bauern standen den „Kalkern“ zunächst hilflos gegenüber. Einen gut funktionierenden Polizeiapparat gab es nicht. Die Besatzungsmacht, die sich in dem Kartoffelkrieg zurückhielt, hatte die Bildung von Polizeitruppen unterbunden. Aber mit der Zeit ergriffen die Wahlscheider Gegenmaßnahmen. Die Männer von Wahlscheid setzten sich mit Mistgabeln, Hacken usw. („de ahl Wahlen met de Kaarstip“) in Richtung Bahnhof Honrath in Bewegung, um dort die „Kalker“ abzufangen. Die Wahlscheider besetzten den Hang, der sich zur Kirche Honrath hochzieht. Die Jäger der Gemeinde waren mit ihren Flinten erschienen. Die Geschlossenheit und Kampfbereitschaft der Wahlscheider hatte die „Kalker“ so beeindruckt, daß sie sich in Honrath nicht „an Land“ wagten. Sie fuhren weiter nach Overath... Vielleicht half den bewaffneten Wahlscheidem aber auch die strategisch hervorragende geographische Lage am Hang am Honrather Bahnhof. In seinem Buch "Wie et fröhe woe, Band II" berichtet Siegfried Helser über das Geschehen, siehe Dokument |
Zugehörige Bilder
Um 1900 hatten die Eheleute Eduard Oligschläger in dem damals bestehenden Fachwerkhaus (heute Hauptstraße 79) ein Lebensmittelgeschäft. 1907 führte Carl Scheiderich das Geschäft als Kolonialwarenhandlung und Drogerie weiter. Später übernahm sein Sohn Karl den Laden und betrieb bis Ende der 1970er Jahre ein Lebensmittelgeschäft. 2007 wurden die Gebäude abgerissen. Letzte Mieter waren ein Friseur- und ein Drucksachengeschäft. Bauherr Adam Arz errichtete hier ein neues 3 1/2-stöckiges Wohn- und Geschäftshaus, das 2008 fertigestellt wurde.
August Hüser betrieb mit Heinrich Stratmann zusammen einen Anstreicherbetrieb. Sie waren von dem Haus Haupstraße 17 (heute Parkplatz VR Bank) in das Fachwerkhaus (Doppelhaus) an der Hauptstraße 14-16 umgezogen. In der anderen Haushälfte hatte das Ehepaar Hüser, nachdem das Kleineisengeschäft der Gebrüder Pape in den 1920er Jahren aufgegeben wurde, einen Tante-Emma-Laden. In den 1940er Jahren übernahm Paul Alex das Lebensmittelgeschäft und danach Maria Klein. Danach befand sich bis Mai 2023 im linken Teil des Gebäudes das Wolle und Handarbeitsgeschäft Niedergesäss.
Am 28. Mai 1935 heiratete der Lohmarer Landwirt Bernhard Kurscheid Elisabeth Scheiderich, Hauptstraße (heute Bestattungsgeschäft Arz).
Auf dem Foto ist die Hochzeitsgesellschaft zu sehen:
1. Heinrich Kurscheid (Lehrer), 2. Helene Scheiderich verh. Lohrbeer, 3. Carl Scheiderich jun., 4. Josef Grunenberg (Lehrer), 5. Maria Grunenberg geb. Kurscheid, 6. Ehefrau von 1., 7. Kätti Altenrath geb. Scheiderich, 8. Kätti Kurscheid geb. Weyer, 9. Gertrud Raßmes geb. Kurscheid, 10. Jakob Raßmes, 11. Else (Ehefrau von 12.), 12. Josef Scheiderich, 13. unbekannt, 14. ? Bertelsbeck,15. – 17. unbekannt, 18. Elisabeth Kurscheid geb. Scheiderich, 19. Bernhard Kurscheid, 20. Peter Kurscheid, 21. Elisabeth Schwellenbach geb. Postertz, 22. Heinrich Schwellenbach, 23. – 26. unbekannt, 27. Oma Anna Marg. Kurscheid geb. Bertelsbeck (Mutter des Bräutigams), 28. Opa Philipp Kurscheid (Vater des Bräutigams), 29. Barbara Scheiderich geb. Rings (Brautmutter), 30. Carl Scheiderich sen. (Brautvater), 31. ? Scheiderich (Mutter von 30), 32. unbekannt, 33. Bernd Kurscheid (gefallen), 34. Marga Kurscheid verh. Homge

























