Das Leben im Dorf Heide in den 1960er Jahren
Das Leben in Heide in den 1960er Jahren hat Norbert Rautenberg in einem Artikel für die Lohmarer Heimatblätter (siehe Dokument) festgehalten. Er war 1959 als Siebenjähriger mit seinen Eltern und seiner Schwester aus Dortmund nach Heide, im Volksmund „Op de Heed“ gezogen, woher seine Mutter stammte und wo die Großeltern lebten. Heide gehörte bis 1969 zur Gemeinde Inger. Es hatte zu damaligen Zeit nur wenige Häuser verstreut über den Ort. Nur in der Umgebung der Kapelle in der Kapellenstraße gab es so etwas wie einen Ortskern. Für die Heider war das Dorf in zwei Teile geteilt: Oberhalb/östlich des Derenbachweg gehörte zur Oberheide mit der Kapelle und dem Sägewerk des Otto Müller und der Gaststätte „Zum Holzwurm“, die schon zu Schreck gehörten, und alles unterhalb des Derenbachweg gehörte zur Unterheide. Durch die räumliche Nähe bestand eine enge Verbindung zum Siegburger Stadtteil Schreck. Ausführlich widmet sich Norbert Rautenberg, dem Dorf-, Schul-, Vereins- und Kirchenleben und der ziemlich komfortablen Versorgungslage mit Geschäften, Gasthäusern und Dienstleitern.
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Dokument
Quellenangabe
Lohmarer Heimatblätter, 37. Ausgabe S. 153 - 167
Autor(en)
Norbert Rautenberg| Zuletzt angesehen: | 14.02.2026, 16:19 |
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2022
Der Straßenname „Am Alten Sägewerk“ im Ort Heide erinnert an ein Sägewerk, das sich bis 1985 auf einem 4000 qm großen Gelände entlang des Hüttenweges an der Abzweigung zur Franzhäuschenstraße befand. Anton Lehmacher aus Algert hatte 1930 das... Der Straßenname „Am Alten Sägewerk“ im Ort Heide erinnert an ein Sägewerk, das sich bis 1985 auf einem 4000 qm großen Gelände entlang des Hüttenweges an der Abzweigung zur Franzhäuschenstraße befand. Anton Lehmacher aus Algert hatte 1930 das Unternehmen gegründet. Er war wie bereits sein Großvater und Vater Stellmacher von Beruf. Das Grundstück hatte er von Anton Salgert, der nebenan die Gaststätte Franzhäuschen betrieb erworben. Da Anton nicht über eigenen Waldbesitz verfügte, lag der Schwerpunkt auf dem Holzhandel. Er kaufte Stämme und verarbeitete sie zu Balken und Brettern. 1959 wurde hier das 8 Meter hohe Birker Friedenkreuz aus Eichenholz zugeschnitten und zusammen mit dem Ingerer Zimmermann Buchholz fertiggestellt. Nach dem Tod von Anton Lehmacher 1969 und seiner Frau Gertrud 1973 ging der Besitz auf deren Tochter Gertrud Lindlar über, die mit Hermann Lindlar verheiratet war. Hermann war bereits kurz nach der Eheschließung 1957 in den Betrieb eingetreten und übernahm nach und nach die Verantwortung. Er wurde von allen nur Hemm genannt und war sehr beliebt. Nicht nur er hatte einen Spitznamen, sondern auch einige Arbeiter im Sägewerk, wie der „Schötze Wellem“ oder der „Pope Wellem“. Hemm wurde nur 54 Jahre alt und verstarb im April 1980. Drei Jahre nach seinem Tod wurde der Betrieb 1983 ruhend gestelllt und weitere drei Jahre später mit dem Abriss begonnen. Die Eichenbalken des Gebäudes kaufte Klaus Lenz. Er war in der DDR als Jazztrompeter und Komponist ein Musikstar. Nachdem er sich 1979 im Westen niedergelassen hatte, begann er damit, alte Fachwerkhäuser zu restaurieren, z.B. das Gebäude „Zum Scheuel“ in Inger. Norbert Rautenberg hat die Geschichte des Sägewerks zusammengetragen und niedergeschrieben, siehe Dokument. | |
Ein für den Ort Heide in vielerlei Hinsicht ungewöhnliches Haus stand bis 1970 auf einem parkähnlichen Grundstück an der Franzhäuschenstraße. Die Geschichte des Hauses beginnt mit einem kleinen Fachwerkhaus um 1907 -1910 in der Heidestraße 11, das... Ein für den Ort Heide in vielerlei Hinsicht ungewöhnliches Haus stand bis 1970 auf einem parkähnlichen Grundstück an der Franzhäuschenstraße. Die Geschichte des Hauses beginnt mit einem kleinen Fachwerkhaus um 1907 -1910 in der Heidestraße 11, das 2020 abgerissen wurde. 1907 kauften der Telegrafensekretär Max Pohl und seine Frau Amalie – eine Lehrerin das Anwesen und kauften später angrenzende Parzellen hinzu. Als die Familie mit fünf Kindern zu groß wurde, wurde vermutlich zwischen 1912 – 1914 ein größeres imposantes Haus gebaut, an dessen Giebel der Name Heide-Haus stand. Es wurde von Besuchern wegen der besonderen Atmosphäre auch Sonnenhaus genannt. 1920 wurde das gesamte Anwesen verkauft. In der Folgezeit wechselten mehrmals die Besitzer. 1943 zog mit Dr. Dr. Otto Nelte, der in Köln ausgebombt worden war, ein interessanter Mieter in das Heidehaus. Er betrieb in Köln eine Anwaltskanzlei und wurde international bekannt, als er in den Nürnberger Prozessen Feldmarschall Wilhelm Keitel vertrat. Von 1955 – 1970 waren Wilhelm und Inge Schulz Eigentümer. Haupteinnahmequelle war der Spargelanbau, der sich wegen der sandigen Böden in Heide anbot und am Haus auch direkt verkauft wurde. Um 1969 wurde das Heidehaus mit den umliegenden Flächen verkauft und 1970 abgerissen. An dieser Stelle befinden sich heute die Häuser Rosenrotstraße 19 und 21. Nur das kleine Haus an der Heidestraße 11 blieb bis 2020 stehen, bis es zwei modernen Doppelhaushälften weichen musste. Norbert Rautenberg hat die lesenswerte Geschichte des Heidehauses in einem Beitrag für die Lohmarer Heimatblätter zusammengetragen, siehe Dokument.
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Zugehörige Bilder
Es ist nicht von der Hand zu weisen - die Soldaten der 3. Kompanie des Wachbataillons der Bundeswehr genießen in ihrer Außenstelle Heide eine angenehme Zeit. Abseits der Hauptstelle Siegburg-Brückberg leben sie hier in idyllischer Landschaft am Waldesrand, mit parkähnlicher Anlage und Tennisplatz. Was jetzt nur noch fehlt ist ein adäquater Swimmingpool. Der Kompaniechef Hauptmann von Prondzynski nimmt die Sache selbst in die Hand. Er plant, leitet und organisiert die Bauarbeiten, um am Ende seinen Soldaten ein eigenes Schwimmbad zur Erholung in der Freizeit anbieten zu können.
Da das Bauvorhaben nicht offiziell ist, müssen sowohl die Besorgung des Materials als auch die Bauarbeiten in Eigenleistung erfolgen. Sand gibt es in Heide genug, Wasser auch. Der Zement wird teilweise bei den Eigenheimbauten gekauft, die in Heide gerade wie Pilze aus dem Boden schießen. Nach und nach entsteht in der Mitte der Parkanlage ein wunderschönes Schwimmbad.
Am 12. September 1966 findet die Einweihung statt. In voller Montur macht der Kompaniechef den schon legendären Kopfsprung in das neue 20-Meter-Schwimmbecken und trinkt dort ein Glas Sekt auf das Wohl seiner Kompanie.
Auch seine beiden Kompanieoffiziere, die Oberleutnante Schwabe und Flohr, müssen den Sprung ins Wasser wagen, um mit dem Chef in der Mitte des Bades anzustoßen.
Paul Schäfer, 1921 in Troisdorf geboren und nach dem Krieg Jugendpfleger der evangelischen Kirche, wurde 1949/50 entlassen, nachdem Vorwürfe wegen Kindesmissbrauchs laut wurden. Ein Prozess fand aber nicht statt. Schäfer zog als Prediger durchs Land. In Lohmar-Heide entstand 1958 das Gemeinschaftshaus und ein sogenanntes Jugendheim der von Schäfer gegründeten Sekte, der "Privaten Socialen Mission". Hinter den Mauern des angeblichen Waisenhauses begann eine Schreckensherrschaft. Die Sektenmitglieder mussten Schäfer intimste Details beichten, ihre familiären Bindungen aufgeben und wurden auch finanziell ausgebeutet.
Das Haus in Heide wurde u.a. mit Hunden bewacht, um eine Flucht zu verhindern. Das Grundstück war komplett eingezäunt, das Eingangstor immer verschlossen. Es gab keine Kommunikation mit der Heider Bevölkerung. Nur wenige durften nach Anmeldung das Gelände betreten und das nur unter Aufsicht. Dazu gehörte der damalige Postbote Karl-Heinz Salgert, aber auch Alfred Bergmann, der mit einem der jungen Sektenmitglieder nach Birk in den Konfirmationsunterricht ging. Die Kinder sah man häufig auf den damals noch unbebauten Feldern, wenn sie Gänse hüteten. Sie hielten sich von der Bevölkerung fern, sprechen konnte man mit ihnen nicht.
1961 wurde ein Haftbefehl gegen Schäfer wegen Kindesmissbrauchs erlassen, von dem er aber informiert wurde. Er und über 200 Mitglieder der Sekte verließen Deutschland fluchtartig in Richtung Chile, bevor der Haftbefehl vollstreckt werden konnte. Den Eltern einiger Kinder wurde eine Chorfahrt vorgespielt. Die "Private Sociale Mission" konnte bis 1989 in Siegburg über ihre Läden weiterhin Geld einnehmen und nach Chile transferieren, soll aber auch im Waffenhandel aktiv gewesen sein. Als Verein wurde sie erst 1995 abgemeldet.
In Chile gründete Schäfer die Colonia Dignidad ("Würde"), in der die Sektenmitglieder weiterhin ausgenutzt, misshandelt und missbraucht wurden. Auch Kinder der chilenischen Bauern der Umgebung wurden entführt, zwangsadoptiert und missbraucht. Durch Fürsprecher in der deutschen wie der chilenischen Politik konnte sich Schäfer aber lange der Verfolgung widersetzen. Nach dem Pinochet-Putsch 1973 diente die Colonoia Dignidad auch dem chilenischen Geheimdienst als Folterzentrum für Regimegegner, von denen in der Colonia auch viele ermordet wurden. Erst mit dem Ende der Diktatur bröckelte die Fassade, insbesondere nachdem auch in Chile mehrere Anzeigen wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern erstattet worden waren. Schäfer gelang wiederum die Flucht, dieses Mal nach Argentinien. Acht Jahre später wurde er 2005 in Buenos Aires verhaftet und nach Chile ausgeliefert, wo er 2006 dann zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt wurde; 2010 starb er mit 88 Jahren im Gefängnishospital.
Die Rolle der Colonia Dignidad zwischen chilenischem Militär, deutschen und chilenischen Politikern und Geheimdiensten, Waffenhändlern und als Zufluchtstätte alter Nazis und rechter Terroristen ist bis heute ungeklärt. 2016 lief der Film "Colonia Dignidad" mit Emma Thompson im Kino an, der die Zusammenarbeit mit dem chilenischen Geheim-dienst thematisiert.
(Nach Informationen von Christoph Kämper, www.pigasus.de und Gerd Albus)
Zugehöriger Ort
Die Siedlung befindet sich auf dem Sandstreifen, der sich im Nordosten des Lohmarer Waldes vor das bei Birk und Inger beginnende Lößplateau schiebt. Die Zeithstraße (B56), die den Ort im Südosten begrenzt, bildet gleichzeitig die Grenze der Stadt Lohmar zum Stadtgebiet Siegburg/Braschoß. Ca. 500 m nordöstlich von Franzhäuschen, das zu Heide gehört, verläuft die Gemeindegrenze etwas von der Zeithstraße zurück, der Hüttenstraße folgend, am Schiefelhof einen Zipfel ausklammernd, dann wieder der Zeitstraße folgend.
Bezüglich des Siedlungsnamens handelt es sich um ein wiederbesiedeltes, schon in prähistorischer Zeit entstandenes Heidegebiet. Was sich heute als geschlossene Ortschaft ansieht, war vor etwa 250 Jahren eine ausgesprochene Streusiedlung: Im Dreieck zwischen Auelsbach und Zeithstraße liegt der Schiefelhof, südwestlich Franzhäuschen, mitten im Dreieck der Hof Heide und nahe am nördlichen Heiderand über dem Auelsbach das Gut Siefen, das wohl nach dem Auelsbachsiefen (Albachsiefen) seinen Namen erhalten hat. Der Ort verdichtete sich zuerst um den Schiefelhof. In den Heberegistern von 1644 werden „Johan Schneider auf dem Scheiffelshof, Greitgen Thomas Tochter aufm Scheiffelhoff“ und „Haagens Erben zu Waahn wegen Scheiffelhoffs und Breiddenbachs“ genannt. Im Wertier- und Landmaßbuch von Inger aus dem Jahre 1711 werden „Braunß erben zum Schieffelhoef, Catharina auff dem Schiefelhoef, Dietherich Rötgen auf dem Schieffelhoef, Gretha Haußmanß auff dem Schieffelhoef, Johanneß Rechtman auff dem Schieffelshoeff, Peter Haußman auff dem Schiefelhoff, Schrick Johanß erben auffm Schiffelhoff, Wymar Fuchs auffm Schiffelhoff und Wilhelm Haußman auffm Schieffelhoeff“ genannt. Von den genannten Personen besitzen mindestens 5 eine Hoflage „auf dem Schiefelhof“ (genau ist die Anzahl nicht zu ermitteln, da einige Seiten im Wertierbuch fehlen). Aus dem Schiefelhof ist also fast eine Ortschaft für sich geworden, die gegenüber von Schreck lag.
Im Wertier- und Landmaßbuch der Honschaft Inger finden wir die Flurbezeichnung „Auff der alten Landwehr hinter dem Schieffelhoff“. Dies läßt vermuten, dass beim Schiefelhof eine solche Wehranlage, deren es entlang der Zeitstraße mehrere gab, vorhanden war. Sie sollten vor Wegela-gerern, fahrendem Volk und Plünderern schützen. An der Kapellenstraße/Am Schiefelhof in Heide befindet sich die kath. Kapelle St. Franziskus Xaverius. Anlässlich einer Volksmission errichteten die Nachbarn vom Schiefelhof 1734 ein Holzkreuz, zu dessen Schutz man schon 1735 eine kleine Holzkapelle baute.
Im Birker Bruderschaftsbuch aus der Zeit von 1503 bis 1538 wird im Mitgliederverzeichnis ein „lambert up der heyden“ genannt. Urkundliche Nennungen liegen aus dem Jahre 1644 mehrfach vor. In den Heberegistern des Amtes Blankenberg aus dem Jahre 1644 werden in der Honschaft Inger „Reinhart Haußman uf der Heiden“ und „Reinhard und sein Schwager Peter auf der Heiden“ als abgabepflichtige Bürger genannt. Im Verzeichnis der Vogteien (Steuerliste) von 1646 finden wir „Kiefferdops erben zu bierck, vorhin Johan Spelman, dabevorm Simon auff den Heiden“. Im Jahre 1666 leisten „die heyden“, d. h. folgende Familienvorstände aus Heide, den Erbhuldigungseid, nämlich „reinhart haußman, jung reinhart, alflaisß(?) daselbst“. Weitere Schreibweisen ergeben sich aus den Taufbüchern von Lohmar, und zwar 1689 Heiden, 1702 und 1727 von der Heyden89, aus der Ploennis-Karte von 1715 wieder Helden (K 9). Im Wertier- und Landmaßbuch von Inger aus dem Jahre 1711 finden wir als Hofbesitzer „Gerharts Wittib, Heinrich Schuemacher Wittib, Johanneß Peter Spielman und Jung Reinhardt auff der Helden“. Weitere Schreibweisen finden wir auf der Karte von Zimmermann aus dem Jahre 1807 Heyd, das hier außerhalb der Kirchspielsgrenze eingetragen ist, und auf der Tranchot-Karte von 1817 Heide.
Der schnell wachsende Ort Heide war 1829 bereits ein Dorf mit 112 Bewohnern an 24 Feuerstellen. Im Jahre 1843 wohnten hier 132 Personen (davon 124 kath. und 8 Juden) in 26 Häusern. 1872 wohnten 120 Personen in 22 Wohnhäusern und 25 Haushaltungen. 2023 leben in Heide ca. 2.000 Einwohner.
Quelle: Wilhelm Pape, Siedlungs- und Heimatgeschichte der Gemeinde Lohmar, 1983















