Kriegsende in Lohmar
Über die letzten Kriegstage in Lohmar und die ersten Monate danach berichtet Erwin Henseler (geb. 1928, verst. 2013) in seinem Beitrag für die Lohmarer Heimatblätter (Dokument).
Den ersten Artilleriebeschuss erlebte Lohmar in der Nacht vom 9. zum 10. März 1945, der von einigen Feuerpausen unterbrochen, fast fünf Wochen anhalten sollte. Am stärksten war das alte Kirchdorf betroffen. An der Ecke Hauptstraße/Kirchstraße stand ein großes imposantes Gebäude, das Hotel-Restaurant "Zum Aggerthal". Es war ein dreigeschossiges Gebäude mit einem großen Saal für Festivitäten und einem Gartenrestaurant mit schattenspendenden Kastanienbäumen. Am Abend des 17. März 1945 wurde der Saal von der Artellerie getroffen. Da dort leicht brennbare Rüstungsgüter lagerten, stand der Saal in kürzester Zeit lichterloh in Flammen. Auch das Hauptgebäude wurde von den Flammen erfasst und das ganze Anwesen stürzte in Schutt und Asche. Die Familie Schnitzler selbst konnte sich retten.
Am 10. April 1945 rückten die Amerikaner von Siegburg aus mit ihren Truppen in Lohmar ein. Auf der Hauptstraße an der Ecke Kirchstraße stand die Panzerspitze und wurde von der Bevölkerung mit weißen Tüchern winkend empfangen. Langsam versuchten die Menschen wieder in ein normales Leben zurückzufinden. Einige beherzte Männer bauten neben der gesprengten Aggerbrücke eine Notbrücke, über die wieder nicht allzu schwere Fuhrwerke fahren konnten. Aber es zeigten sich auch neue Probleme. Ehemalige Zwangsarbeiter zogen in Gruppen marodierend durch die Gegend. Vor allem abseits gelegene Bauernhöfe, wo Vieh und Lebensmittel geplündert wurden, hatten darunter zu leiden. Möglicherweise steht auch die Ermordung von drei Lohmarern am 24. Juli 1945 damit in Zusammenhang. Sie wurden auf dem Weg zur Arbeit bei der Dynamit Nobel AG in Troisdorf erschossen. Heute steht an der Stelle ein Gedenkkreuz am Güldenbach
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Dokument
Quellenangabe
Lohmarer Heimatblätter Nr. 25 S. 121 - 125
Autor(en)
Erwin Henseler| Zuletzt angesehen: | 15.12.2025, 08:48 |
| Bisher angesehen: | 1603 mal |
Querverweise
Zugehörige Dokumente
Der 8. Mai 1945 gilt als das offizielle Kriegsende des 2. Weltkrieges und als Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus. Am 7. Mai unterzeichnete der von Dönitz bevollmächtigte Generaloberst Alfred Jodl im Hauptquartier der Alliierten in Reims die... Der 8. Mai 1945 gilt als das offizielle Kriegsende des 2. Weltkrieges und als Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus. Am 7. Mai unterzeichnete der von Dönitz bevollmächtigte Generaloberst Alfred Jodl im Hauptquartier der Alliierten in Reims die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht. Sie trat am folgenden Tag in Kraft. In der Nacht zum 9. Mai wiederholten hochrangige Vertreter aller drei Wehrmachtsteile den Akt der Kapitulation gegenüber den Sowjets in deren Hauptquartier in Berlin-Karlshorst. Im besiegten und weitgehend zerstörten Deutschland stieß das formale Kriegsende auf nur noch wenig Interesse. Für die meisten Deutschen war der Krieg mit der Besetzung ihres Heimatortes durch die Alliierten ab Herbst 1944 weitgehend beendet. Über die letzten Kriegswochen in der Stadt Lohmar haben Zeitzeugen in verschiedenen Veröffentlichungen berichtet. In einem Artikel des Kölner Stadt-Anzeiger vom 7. April 2025 schreibt Marcus Caris über ein Treffen mit dem 95-jährigen Ferdi Eich aus Lohmar. Über das Kriegsende in Wahlscheid lässt Siegfried Helser im Band II „Wie et fröhe woe“ Zeitzeugen berichten und Gerd Streichardt lässt in seinem Buch „Die letzten Kriegstage in der Heimat“ Zeitzeugen aus Siegburg, Troisdorf, Seelscheid und Lohmar vom Ende des Zweiten Weltkrieges erzählen. Seine Erlebnisse als 15-Jähriger hat der Lohmarer Heimatkundler Wilhelm Pape, der zu Kriegszeiten in der Kirchstraße 6 mit seiner Familie wohnte, 1993 niedergeschrieben, siehe Dokument. Er beschreibt ausführlich die ersten Zeichen der herannahenden Front und den Einschlag der ersten Granaten im März 1945. Der Artilleriebeschuss wurde immer schlimmer. In der Nacht vom 17./18. März wurde das Hotel-Restaurant Schnitzler getroffen und brannte bis auf die Außenmauern nieder. Als ein paar Tage später ein Offizier der Feldgendarmerie den Stellungsbefehl für Wilhelm Pape überbrachte, flüchtete die Familie für eine kurze Zeit in Unterstände ins untere Holzbachtal unterhalb von Lohmarhohn, wo sich bereits weitere Lohmarer befanden. Am 10. April um 10.15 Uhr schwenkte der erste German-Panzer der Amerikaner von Siegburg kommend von der Hauptstraße in die Kirchstraße ein. Andere Truppenteile waren über das Jabachtal und den Halberger Höhenrücken vorgestoßen und trafen sich mit den Panzern. Damit war der Krieg in Lohmar bereits einen Monat vor der offiziellen Kapitulation zu Ende. |
Zugehörige Begebenheiten
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April 1945
Der sogenannte „Ruhrkessel“ (engl. „Ruhr pocket“) war die letzte große Schlacht an der Westfront im 2. Weltkrieg. Nach der Rheinüberquerung bei Remagen im März 1945 kesseln US-amerikanische Truppen Anfang April 1945 das Ruhrgebiet ein. Fast das... Der sogenannte „Ruhrkessel“ (engl. „Ruhr pocket“) war die letzte große Schlacht an der Westfront im 2. Weltkrieg. Nach der Rheinüberquerung bei Remagen im März 1945 kesseln US-amerikanische Truppen Anfang April 1945 das Ruhrgebiet ein. Fast das gesamte Ruhrgebiet, das Bergische Land sowie Teile des Sauerlandes wurden von US-Truppen umstellt. Die deutsche Heeresgruppe B unter Generalfeldmarschall Model mit 350.000 Soldaten kapituliert am 21. April 1945. Model begeht am gleichen Tag Selbstmord. Lohmar lag in diesem Ruhrkessel. Die südliche Front des Kessels bildete der Fluss Sieg, im Westen war der Rhein die natürliche Grenze. Gerd Streichardt schreibt in seinem Buch „Die Letzten Kriegstage in der Heimat“: „ Ein gewaltiger Vorstoß gelang am 10. April 1945 den amerikanischen Einheiten der 13. US-Panzerdivision…. Vorderste Einheiten des Divisionskampfkommandos B umgingen Troisdorf - vom Ulrather Hof in Siegburg ausgehend, über die Widdauer Wiese, dort über eine Pontonbrücker in den Rörichtsiefen – durchfuhren die Wahner Heide und Urbach und erreichten Köln-Dünnwald. Eine andere Kampftruppe stieß entlang der Autobahn vor, rollte durch Lohmar und kämpfte leichten Widerstand im Bereich Heppenberg – Feienberg - Breidt nieder. Die Einheiten der 97. Infanteriedivision folgten den schnell vorstoßenden Kampftruppen der 13. US-Panzerdivision.“ Quellen der US-Army liefern einige wenige Information über die Kampfhandlungen in Lohmar.
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