Ökumenisches Gedenken an die Breuer Brüder auf Gut Windlöck
Bei hochsommerlichen Temperaturen und strahlendem Sonnenschein kamen rund 60 Interessierte auf den historischen Hof Windlöck in Lohmar, um der Brüder Johann Gregor und Adam Joseph Breuer zu gedenken. Die Dorfgemeinschaft Neuhonrath & Auel hatte zu einer ökumenischen Feier mit Vorträgen, Volksmusik, der Taufe des neuen Johann-Gregor-Breuer-Pfads und der Enthüllung einer Gedenktafel eingeladen.
Johann Gregor Breuer (1821-1897) wuchs in der Mitte des 19. Jahrhunderts in Neuhonrath und Auel auf, hier gründete er seinen ersten karitativen Verein und setzte seine Tätigkeit später in Elberfeld fort, wo er u.a. den ersten Gesellenverein, die Keimzelle des Kolpingwerks gründete. Sein 15-Jahre älterer Bruder Adam Joseph Breuer (1806-1892) war zunächst Hauslehrer auf Schloss Auel und wechselte dann als Hauptlehrer an die Dorfschule Neuhonrath. Wie damals üblich, war er zusätzlich Küster von Sankt Mariä Himmelfahrt in Neuhonrath. Nach dem frühen Tod der Mutter kümmerte sich der ältere Breuer um seinen später bekannt gewordenen kleinen Bruder und sorgte für Kost, Logi und seine geistige wie weltliche Bildung. Er ebnete ihm den Weg in den Lehrerberuf.
In kurzen, illustrierten Beiträgen wurde das Leben der beiden Pädagogen vorgestellt, die in der Frühzeit der Industrialisierung die soziale Not der Menschen sahen und Bildung, Gemeinschaft und christliche Nächstenliebe als Weg aus dem Elend verstanden. Johann Gregor Breuer brachte junge Menschen über Volksmusik, gemeinsames Singen und Chöre zusammen – ein Ansatz, der ihnen Halt, Bildung und Gemeinschaft bot. Sein älterer Bruder Adam Joseph erkannte früh das besondere Potential des Jüngeren und förderte ihn entscheidend. Aus dieser Förderung erwuchs später die Gründung der Ökumenisches Gedenken mit fünf Geistlichen. Die Feier wurde getragen von einem breiten ökumenischen Miteinander, ganz so, wie sich das Kolpingwerk inzwischen konfessionell geöffnet hat. Mitgewirkt haben alle drei Kirchengemeinden auf dem Gebiet der Altgemeinde Wahlscheid und sogar der leitende Pfarrer des Bergischen Domes war vor Ort:
- Pfarrer Dieter Scharf, Kath. Kirche St. Johannes Lohmar,
- Pfarrer Francis Kaviyil, Kath. Kirche St. Johannes Lohmar
- Pastorin Barbara Brill-Pflümer, Ev. Kirche Honrath, Emmaus-Gemeinde,
- Thomas Weckbecker, Ev. Kirche Wahlscheid,
- Pastor Pfarrer Thomas Taxacher, leitender Pfarrer der Pastoralen Einheit Altenberg und Pfarrer am Altenberger Dom – zugleich direkter Nachfahre von Johann Gregor Breuer.
Die Sprecherinnen des Nachmittags waren:
• Tatjana von la Valette, Besitzerin von Schloss Auel und Bewohnerin von Hof Windlöck (Begrüßung, Führung in den Kolpingwald)
• Esther Dufner, Referentin des Kolping-Diözesanverbandes Köln für geistliche Leitung und Praxisbegleitung (Vorträge zu Johann Gregor Breuer & Kolpingwerk)
• Ulrike Clever, Geschäftsführerin des Verkehrs- und Verschönerungsvereins Wahlscheid/Aggertal e.V. und Sprecherin der Dorfgemeinschaft Neuhonrath & Auel (Moderation & Vortrag zu Adam Joseph Breuer, dem älteren Bruder)
Für die musikalische Gestaltung sorgten die Naafbachtaler Stubenhocker mit Axel und Reinhild Friedrich. Beide hatten aus dem von Johann Gregor Breuer herausgegebenen „Gesellenliederbuch“ mehrere Stücke ausgewählt und sie mit passenden, damals weit verbreiteten Volksliedern ergänzt. Stimmlich wie instrumental brachten sie diese eindrucksvoll zu Gehör. Dank der ausgelegten Liederhefte konnten alle Anwesenden einstimmen – und machten davon gerne Gebrauch. Organisatorin und Moderatorin Ulrike Clever, die durch den Nachmittag führte, erinnerte daran, dass der Volksgesang einst viel stärker zum Alltag gehörte, in einer Zeit ohne Radio, MP3-Player oder Smartphones. Die Menschen sangen bei der Arbeit, aus Glauben, zu Festen und sehr viel mehr im täglichen Leben. Gesang bedeutete Lebensfreude, spendete Trost, stärkte das Selbstbewusstsein und vertrieb Einsamkeit. Diese Kraft der Volksmusik nutzte Johann Gregor Breuer, um junge Menschen zu erreichen, sie in Gemeinschaft zu führen und ihnen Bildung und Halt zu geben.
Heraus kam: Ein starkes Zeichen lokaler Erinnerungskultur.
Mit der Enthüllung der Gedenktafel der Dorfgemeinschaft Neuhonrath + Auel und der Taufe des neuen Wanderpfads, den die AG der Bänker im Verkehrs- und Verschönerungsverein Wahlscheid/Aggertal e.V. eingerichtet hat, wurde das Wirken der Breuer-Brüder sichtbar im Landschaftsbild verankert – dort, wo ihr gemeinsamer Weg in Neuhonrath und Auel einst begann.
Information
Quellenangabe
Pressemitteilung Dorfgemeinschaft Neuhonrath + Auel vom 25.05.2026
Fotoarchiv Ulrike Clever
Autor(en)
Ulrike Clever| Zuletzt angesehen: | 14.08.2026, 18:48 |
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Querverweise
Zugehörige Dokumente
Sein Bruder Joseph hatte eine Hauslehrerstelle in Schloss Auel beim Freiherren Philipp de La Valette St George und übernahm die Verantwortung für die Erziehung und Schulbildung, nachdem ihre Mutter früh (1828) verstorben war. Johann Gregor wohnte im Gasthaus Lindenberg in der Hunschaft Höhe (Oberstehöhe) und ging in Neuhonrath zur Schule. Er fiel schnell durch seine Flinkheit und seinen gesunden Geist auf. Der damalige Lehrer Weeg in Neuhonrath, der neben dem Schulamt auch den Küsterdienst nebenan in der katholischen Kirche verrichtete, nutzte die Fähigkeiten und förderte den Jungen. Von Höhe zog Johann Gregor um in das Gut Rosauel, das zur Herrschaft Auel gehörte. Hier fühlte er sich sehr wohl. Schwerer fiel ihm das Einleben, als er nach Schloss Auel zu seinem Bruder umziehen musste. Besonders die Eingewöhnung an die strengen Tischsitten machten ihm Probleme. Seine nächste Station war danach der Umzug in das Schulhaus Neuhonrath, als sein Bruder zum Nachfolger des ausgeschieden Lehrers Weeg an die katholische Volksschule Neuhonrath berufen wurde. Hier wurde er schon zur Unterrichtung kleinerer und größerer Mitschüler eingesetzt. 1837 - 1838 besuchte er im Ort Lohmar die Präparandenschule. Hier wurden junge Männer auf die Aufnahme in ein Lehrerseminar vorbereitet. Er wohnte bei dem Dorfschullehrer Johann Klein im Schulhaus in der Kirchstraße, dass gleichzeitig Wohnung des Lehrers war. Ende 1838 trat Johann Gregor eine Unterlehrerstelle an der katholischen Mädchenschule in Elberfeld an. Seine soziale und karitative Einstellung zeigte Johann Gregor als er in Neuhonrath den „Armen-Kranken-Verein“ gründete. In Elberfeld war er Gründer und Initiator vieler sozialer Einrichtungen, von denen das bedeutenste Werk der „Elberfelder Gesellenverein“ war, aus dem das Kolpingwerk entstanden ist. Der 2022 verstorbene Lohmarer Realschullehrer und Heimatforscher Hans Warning hat den Aufenthalt von Johann Gregor Breuer in Lohmar beschrieben mit interessanten Einblicken in das damalige gesellschaftliche Leben, siehe Dokument.
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Zugehörige Bilder
Das Gut Windlöck ist zusammen mit Haus Auel seit 1818 im Besitz der Familie de La Valette St. Georg. Seit den 1930er Jahren war es über drei Generationen hinweg bis 2018 an die Familie Mürkens verpachtet. Sie betrieb dort Milchwirtschaft. Der ursprüngliche Hof wurde zu diesem Zweck umgebaut. In den 1960 er Jahren entstand der große Kuhstall mit Milchkammer. Im Laufe der Jahrzehnte wurde die Fläche von ca. 4.750 qm mit Schuppen und Lagerhallen zugebaut. Als 1998 der Pachtvertrag mit dem Golfclub Schloss Auel geschlossen wurde, gab die Familie Mürkens die landwirtschaftlichen Flächen für den Golfplatz frei. Herr Peter Mürkens wurde bis zu seiner Rente als Greenkeeper eingestellt und sein Sohn Robert machte sich als Landschaftsgärtner selbstständig. Es wurde vereinbart, dass die Familie weitere zwanzig Jahre auf dem Hof leben und der Pachtvertrag im Juli 2018 auslaufen würde.
Im Sommer 2018 übernahm Tatjana von la Valette den Hof mit der Absicht, ihn in den ursprünglichen Zustand zurückzubauen. Sie hatte zwar eine Vision, aber keine konkrete Vorstellung, wie der Hof eines Tages im alten Glanz erscheinen würde. Es dauerte ca. sechs Monate, bis der Abriss fachgerecht durchgeführt worden war. Viel Sondermüll, wie Asbest musste entsorgt werden etc. Spaziergänger, die des Weges kamen, schlugen teilweise die Hände über dem Kopf zusammen. Jeden Tag fiel eine kleine oder größere Entscheidung. Als beispielsweise der alte Putenstall abgerissen wurde, ergab sich, dass der Stall mit historischen Dachziegeln bedeckt war. Also wurden Ziegel für Ziegel abgedeckt und sorgsam eingelagert. Auf der großen Freifläche von ca. 3000 qm entstand eine Wildblumenwiese mit verschiedenen heimischen Obstbäumen alter Sorten.
Zugehöriger Ort
Windlöck liegt am Südweshang eines Höhenrückens südöstlich von Honrath. Der Siedlungsname bedeutet " Windloch" = windige, windreiche, frei Stelle. Auf der Ploennis-Karte von 1715 und auf der Wiebeking-Karte von 1790 erscheint der Einzelhof unter dem Namen Windloken.
Quelle: Wilhelm Pape, Siedlungs- und Heimatgeschichte der Gemeinde Lohmar, 1983





















