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Der Wahlscheider Kartoffelkrieg 1923

Dokument  |  Oktober 1923
Kartoffelsetzen 1921. Am Pflug: Karl Weber, Scheid mit Drievkoh; sitzend: Emma Hinterburger geb. Weber, Hoffnungsthal-Hammer; hinten: Berta Weber geb. Kürten, Linden und Scheid
Kartoffelsetzen 1921. Am Pflug: Karl Weber, Scheid mit Drievkoh; sitzend: Emma Hinterburger geb. Weber, Hoffnungsthal-Hammer; hinten: Berta Weber geb. Kürten, Linden und Scheid

Nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg war die wirtschaftliche Notlage groß. Lebensmittel wurden vor allem in den städtischen Bereichen knapp. Ende Oktober 2023 spitzte sich die Situation zu. Die Kartoffelernte war in diesem Jahr besonders schlecht und die Inflation galoppierte. Während die Wahlscheider dank eigener Gärten oder guter Beziehungen zu hiesigen Bauern, Ihren Hunger stillen konnten, traf es die Stadtbewohner von Köln schwer. In ihrer Not setzten sich die an der Bahnstrecke Köln-Overath liegenden Köln-Kalker zu Hunderten in den Zug und fuhren ins Bergische, um sich zu nehmen, was sie brauchten. Sie saßen auf den Dächern und Trittbrettern der total überfüllten Eisenbahn-Waggons. Von den Bahnhöfen Honrath und Overath schwärmten sie in Trupps von 20-50 Mann zu den Bauern bis nach Seelscheid und Much aus. Es kam zu gewaltsamen Zusammenstößen. Die Wahlscheider Bauern  standen den „Kalkern“ zunächst hilflos gegenüber. Einen gut funktionierenden Polizeiapparat gab es nicht. Die Besatzungsmacht, die sich in dem Kartoffelkrieg zurückhielt, hatte die Bildung von Polizeitruppen unterbunden. Aber mit der Zeit ergriffen die Wahlscheider Gegenmaßnahmen. Die Männer von Wahlscheid setzten sich mit Mistgabeln, Hacken usw. („de ahl Wahlen met de Kaarstip“) in Richtung Bahnhof Honrath in Bewegung, um dort die „Kalker“ abzufangen. Die Wahlscheider besetzten den Hang, der sich zur Kirche Honrath hochzieht. Die Jäger der Gemeinde waren mit ihren Flinten erschienen. Die Geschlossenheit und Kampfbereitschaft der Wahlscheider hatte die „Kalker“ so beeindruckt, daß sie sich in Honrath nicht „an Land“ wagten. Sie fuhren weiter nach Overath... Vielleicht half den bewaffneten Wahlscheidem aber auch die strategisch hervorragende geographische Lage am Hang am Honrather Bahnhof.

In seinem Buch "Wie et fröhe woe, Band II" berichtet Siegfried Helser über das Geschehen, siehe Dokument

Information

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Quellenangabe

Siegfried Helser, Wie et fröhe woe, Bd II, 1994

Autor(en)

Siegfried Helser
Zuletzt angesehen:12.07.2024, 22:39
Bisher angesehen:470 mal

Querverweise

Zugehörige Bilder

Kartoffelernte 1941, vl: 1. „Landjahr-Mädchen“ Aenne; 2. Frieda Stelzer geb. Stoßberg, Mailahn; 3. hinter 2 unbekannt; 4. erhöht sitzend: Max Frackenpohl, Weeg; 5. vorne: unbekannter Landjahrjunge; 6. Landjahrjunge Fleinz Baumeister; 7. hinten: Daniel Steinsträßer, Mailahn; 8. vorne: Otto Piel, Mailahn; 9. hinten mit Kopftuch: unbekannt; 10. hinten: Laura Klein, Bloch und Mailahn; 11. vorne: Martha Schlehecker geb. Klink, Mohlscheid; 12. Kind vorne: Helga Sinnig, Klefhaus; 13. hinten: Martha Stoßberg, Mohlscheid; 14. rechts: Lotti Schauenberg geb. Klein, Bloch und Spich; 15. beim Ochsen: Hugo Stoßberg, MohlscheidFoto
Kartoffelernte (Earpel) in Mailahn

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Wahlscheid

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